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Aktuell: Die Kirchenchronik der Parochie Altschlawe 1908-1933

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Eine Reihe Altschlawer Bewohner hinterließen eine Spur, egal ob in Erzählungen, Aktenstücken oder sonst irgendwo. Von einigen und ihren Spuren soll hier berichtet werden. 

 

 

 

Einer der ältesten Altschlawer als Neubürger in Frankfurt/Oder

 

Einer der ältesten bekannten Bewohner Altschlawes ist dadurch bekannt, weil er als Neubürger in Frankfurt/Oder ansässig wurde. Sein Name: Hans Dietrich, geboren am 15.10.1594. Weitere Details und Namen sind im Verzeichnis der Neubürger der Stadt Frankfurt/Oder von 1580 bis 1699 aufgeführt. Interessant an der Person Hans Dietrich ist außerdem, dass der Familienname Dietrich in späteren Jahrhunderten gar nicht mehr in Altschlawe existierte bzw. nur an einigen wenigen Stellen eine Nebenrolle spielte. 

 

 

 

Der Schäferknecht Twardokus in Altschlawe und seine Nachkommen

 

Es kann schon verblüffend sein, in welcher Art und Weise einzelne Namen aus dem Nichts auftauchen, um dort nach kurzer Zeit wieder zu verschwinden. Mit Hilfe des Internet gelangt man aber dennoch - allerdings nur mehr oder weniger zufällig - auf eine Spur, einen kurzen Blick hinter den Vorhang. In den Mühlenlisten des Jahres 1795 wird ein Schäferknecht TWARDOKUS erstmals in Altschlawe erwähnt. Aus diesen Listen geht ebenfalls hervor, dass er zu jener Zeit bereits verheiratet war. Ob dieser Schäferknecht im Jahre 1803 noch in Altschlawe ansässig war, geht aus den Listen jedoch nicht hervor, die Auflistung der Einwohner nennt an dieser Stelle keine Namen. Auch ist die genaue Zahl der Kinder nicht bekannt. Mit diesen wenigen Informationen endete bisher das Wissen um die Familie Twardokus in Altschlawe. Dank der Internetseite von Wolfgang Wucherer aus Reutlingen erfahren wir nun nähere Einzelheiten über diese Familie und den Werdegang ihrer Nachkommen. Wir erfahren, dass der Schäferknecht Johann Heinrich Twardokus hieß, im Jahre 1757 geboren wurde und 1809 verstarb. Wir erfahren die Namen seiner beiden Ehefrauen Gottlieb(e) und Maria Gülzow, zweier Schwestern, die vermutlich aus Notzkow, Kreis Schlawe stammten. Nicht zuletzt erfahren wir, dass sich die Nachkommen jener Familie später QUARDOKUS nannten und im Kreis Rummelsburg ansässig wurden. Schließlich bleibt nur eine einzige Frage offen: Woher stammte Johann Heinrich Twardokus?

 

 

 

Pommerscher Reformator Jakob Runge war Vorfahre von Pastor Fabricius

 

Mehr als 52 Jahre lang war Jakob Lorenz Fabricius als Pastor in Altschlawe tätig. Er selbst war in Rügenwalde geboren, besuchte dort die Schule und studierte in Halle. Als Dreißigjähriger wurde er im Jahre 1752 berufen und erst sein Tod am 20. November 1804 beendete sein langes Amt. Wie keiner seiner Vorgänger oder Nachfolger prägte er die Geschicke des Dorfes über einen solch langen Zeitraum und allein diese Tatsache wird ihm ein sehr hohes Ansehen unter seinen Zeitgenossen verliehen haben. Was diese Altschlawer Zeitgenossen vermutlich jedoch nicht wussten, war, dass ihr Pastor ein Nachkomme des berühmten pommerschen Reformators Jakob Runge (1527-1595) gewesen ist. Dessen Tochter Gertrud Runge hatte im Jahre 1572 in Greifswald den Theologen Dr. Jakob Faber geheiratet. Einer dessen Nachkommen war Joachim Friedrich Fabricius, Präpositus zu Rügenwalde und Vater des Altschlawer Pastors.

 

Reformator Jakob Runge (1527-1595)

 

 

 

Altschlawer Schulz bleibt standhaft

 

Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts wussten die Ortsbewohner von dem alten Schulzen Nehring zu erzählen, der im Unglücksjahre 1806 in seinem Hause ein schönes Beispiel für Standhaftigkeit gab. Als ein Trupp französischer Reiter heransprengte und von ihm als dem Ortsvorsteher unerfüllbare Kontributionsleistungen verlangte, ließ sich der tapfere Schulze lieber einsperren, als dass er zu Kreuze kroch. Noch heute kann man die tiefen Scharten und Kerben in den Fensterkreuzen des alten Hauses sehen, die von den Säbelhieben der enttäuschten Franzosen herrühren. Das Eichenholz war ebenso kernig wie der Alte.

 

Nehring-Bauernhof zu Altschlawe

 

 

 

Ulan Schwolow im deutsch-französichen Krieg verwundet

 

Am 20.12.1870 wurde der Ulan Friedrich Schwolow, 1. Kavalleriedivision des 2. Pommerschen Ulan-Regimentes Nr. 9 in der Schlacht bei Chateau Meslay in Frankreich "leicht verwundet durch einen Schuss in den rechten Arm". Dies verkünden die Verlustenlisten des deutsch-französichen Krieges 1870/1871. Weitere Angaben zu Friedrich Schwolow werden nicht gemacht. Vermutlich handelte es sich jedoch um den am 13.07.1839 in Altschlawe geborenen Sohn des Instmannes Friedrich Schwolow und dessen Ehefrau Regine Böttcher. Sein weiteres Schicksal ist unbekannt.

 

Ulan, Ulan-Regiment

(Quelle: http://www.reichseinigungskriege.de)

 

 

 

Spenden unterstützen Altschlawer Brandopfer 1910

 

Der Sommer des Jahres 1910 blieb den Altschlawern unvergesslich, der Juli brachte die wohl schlimmste Brandkatastrophe in der Geschichte des Dorfes. Fast die Hälfte des Dorfes, insbesondere die kleineren Büdnerhöfe und Wohnhäuser, wurde ein Opfer der Flammen. Bald danach gingen die Spenden für die Opfer ein. Die Danziger Zeitung meldete am 11.07.1910: "Für die Abgebrannten in Altschlawe gingen noch ein: von Mühlenbesitzer Schmidt, Altbewersdorf 12 Mark. Im Ganzen bisher 2.137,60 Mark." Die Gesamtsumme belief sich dann später auf 2.993,50 Mark, Spendensummen von 0,50 - 20 Mark.

 

 

 

Geistiger und geistlicher Widerstand: Pastor Paul Hollatz

 

Paul Hollatz (1891-1945) war vielen Altschlawern ein unbequemer Pastor. Nicht zuletzt, weil er zur NS-Zeit offen seine Meinung vertrat und provozierte. Er selbst war Mitglied der "Bekennenden Kirche" und auch Dietrich Bonhoefer war oft Gast in seinem Pfarrhaus in Altschlawe.

 

 

 

 

Martha Sielaff als Opfer auf der "Wilhelm-Gustloff"

 

Laut Überlieferung befand sich die Krankenschwester aus Schlawe Martha Sielaff (1905-1945), die Schwester meines Großvaters, unter den Opfern des Untergangs der "Wilhelm Gustloff". In den Listen der Ertrunkenen findet sich ihr Name nicht. Ob sie also tatsächlich mit diesem Schiff in den Fluten der Ostsee versank, bleibt unbelegt. Wie auch immer, an dieser Stelle sei ihr und den Tausenden Opfern des 30.01.1945 ein Andenken gesetzt.

 

Martha Sielaff (1905-1945)

 

In der bitterkalten Nacht des 30. Januar 1945, verließ das frühere KDF Schiff WILHELM GUSTLOFF, das nun als Unterkunft für die Kriegsmarine diente, das ostdeutsche Gotenhafen und setzte Segel, um den relativ sicheren Westen zu erreichen, noch vor der aus dem Osten andrängenden Roten Armee.

 

Die GUSTLOFF, ursprünglich bestimmt, 1.850 “Kraft durch Freude”-Ausflügler zu transportieren, beherbergte nun, auf engstem Raum zusammengedrängt, 6.300 Flüchtlinge, - verwundete Soldaten, Seeleute, Schwerverletzte, Kranke, Alte, Frauen und Kinder, sowie sehr viele Krankenschwestern, die im ehemaligen Schwimmbad untergebracht waren.

Als das fahle Morgenlicht des 31.Januar 1945  über die eisigen Wasser der Ostsee hereinbrach, vermochte es nicht mehr auf die Decks der GUSTLOFF zu fallen, denn in dieser Nacht war sie, getroffen von drei Torpedos eines Sowjet-U-Bootes, in weniger als 50 Minuten gesunken, mit sich 5.400 Leben in die Tiefe reißend. 

Dieser Verlust war die zweitgrößte Schiffstragödie aller Zeiten. 

Einer der Überlebenden dieser Katastrophe ist Heinz Schön aus Bad Salzuflen, der sich der Dokumentation sämtlicher Zusammenhänge dieses Ereignisses gewidmet hat. Neben seinem Ostsee-Archiv Heinz Schön, welches für Auskünfte zur Verfügung steht, gibt es zahlreiche Veröffentlichungen, die Hintergründe und Informationen vermitteln.

(Quelle: http://www.feldgrau.com/wilhelmgustloff.html)

 

 

 

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